Der Bergmolch - Lurch des Jahres - in Österreich

Der Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) ist eine zentraleuropäische Amphibienart, die mit verschiedenen Ausläufern, isolierten Populationen und aktuell sechs anerkannten Unterarten bis in die nördliche Bretagne, Nordspanien, die Karpaten, südwärts bis Mittel- und Süditalien sowie über den Balkan bis auf die Peloponnes in Griechenland vorstößt.

Bergmolch Ichthyosaura alpestris
In Österreich ist er die am weitesten verbreitete Schwanzlurchart Österreichs und kommt in allen Bundesländern vor. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Hügelland und in den Gebirgen der westlichen bzw. zentralen Landesteile, während die Vorkommen Richtung Norden und vor allem Osten ausdünnen. In den Tieflagen im Osten Niederösterreichs, dem Nord- und Mittelburgenland fehlt die Art. Die östliche Verbreitungsgrenze verläuft durch die Stadt Wien bzw. das südliche Burgenland. Verbreitungslücken in Teilen von Ober- und Niederösterreich (Inn-, Mühl- und Waldviertel), oder den Zentralalpen lassen sich wohl vielfach durch Kartierungsdefizite erklären. Die Höhenverbreitung verläuft zwischen 200 m ü. NN in Wien und 2.380 m ü. NN am Reißeck in den Kärntner Zentralalpen. Bekannte große Einzelvorkommen mit mehreren Tausend adulten Individuen stammen durchwegs aus Seen und Feuchtgebieten in Seehöhen über 1.000 m ü. NN., wie etwa am Ameisensee, am Vorderschlumsee, oder im Weißpriachtal im Bundesland Salzburg.

Bergmolch Karte

Der typische Lebensraum des Bergmolches in Österreich besteht aus größtenteils lichten, gut strukturierten Laub- und Mischwäldern mit erhöhtem Totholzanteil, oder Komplexen aus Zwergstrauchheiden, Feuchtgebieten bzw. Mooren oberhalb der Waldgrenze. Wesentlich ist ein dichtes Gewässernetzwerk. Ein Schlüsselfaktor im Landlebensraum ist neben hoher Bodenfeuchte die Verfügbarkeit von reichlich Versteckplätzen in Form von liegendem Totholz oder Lückensystemen z.B. in überwuchertem Geröll. Sehr unterschiedliche Typen von Laichgewässer werden genutzt. Einerseits handelt es sich um kleinere, oft nur temporär Wasser führende Stillgewässer wie (Wagenspur-)Tümpel, Quellstaue, Stillbereiche von Entwässerungsgräben oder Pfützen. Andererseits werden, vor allem in höheren Lagen, auch größere Gewässer genutzt, sofern sie fischfrei sind und eine ausreichende Strukturierung aufweisen.

Bergmolch Ichthyosaura alpestris Habitat

Typische syntope Amphibienarten sind der Grasfrosch (Rana temporaria) – dessen Eier vor allem in Gebirgspopulationen eine überaus wichtige Nahrungsquelle für die Molche darstellen - und die Erdkröte (Bufo bufo), in mittleren Seehöhen auch die Gelbbauchunke (Bombina variegata) und der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Umgekehrt sind im Verbreitungsgebiet in Laichgewässern von Kamm- (Triturus cristatus s.l.) und Teichmolchen (Lissotriton vulgaris) zumeist auch Bergmolche zu finden.

Bezüglich der Jahresaktivität sind in Österreich Nachweise von Adulttieren aus allen 12 Monaten dokumentiert. Die deutliche Mehrheit aller Beobachtungen fällt in den Zeitraum Ende März/Anfang April bis Mitte/Ende August und erstreckt sich somit über gut fünf Monate mit Schwerpunkt in der ersten Hälfte dieser Zeitspanne. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Tiere im oder am Laichgewässer. Nachweise von Larven sind von Mitte April bis Ende Oktober dokumentiert, mit Schwerpunkt zwischen Ende Juni und Anfang September. Im Toten Gebirge (Kalkalpen im Grenzgebiet von Oberösterreich und Steiermark) durchgeführte Studien zum Alter von Bergmolchen mittels Skeletochronologie bzw. Langzeitmarkierungen zeigten, dass die Geschlechtsreife erst mit rund 10 Jahren eintritt und ein Maximalalter von rund 30 Jahren erreicht werden kann.

Wie alle in Österreich beheimateten Amphibienarten gilt für Individuen bzw. Lebensräume des Bergmolches in allen neun Bundesländern ein strenger Schutz. In der nationalen Roten Liste wird die Art als "Gefährdung droht" ("near threatened") gelistet. Aussagen über die Bestandsentwicklung des Bergmolches sind allerdings kaum möglich, da entsprechende Monitoringprojekte fehlen. Die Gefährdungsfaktoren sind, auch aufgrund der weiten Verbreitung in verschiedenen Lebensraumtypen, mannigfaltig. Es handelt sich um den laufenden Verlust bzw. die Degradierung von Laichgewässer durch Verfüllung, Trockenlegung, Fischbesatz oder Eutrophierung (Gülle). Weiters die massive Nutzungsintensivierung in der Land- und Forstwirtschaft, inklusive des Einsatzes von Pestiziden und der verstärkten Nutzung von Flächen im Gewässerumfeld. Die laufende Lebensraumzerschneidung durch das wachsende (Forst-)Straßennetzwerk sowie die strukturelle „Ausräumung“ der Landschaft, führen wiederum zu immer weniger Wanderkorridoren bzw. Trittsteinen in Form von Wegrainen, Waldsäumen oder Ufergehölzen.

Broschüre

Flyer

Kinder-Broschüre

Poster

Embryonalentwicklung des Lurches des Jahres auf Youtube

Fotos Christoph Riegler: Bergmolch Männchen, Habitat in den Hohen Tauern. Verbreitungskarte Bergmolch (Quelle NHM Wien)

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