Die Zauneidechse - Reptil des Jahres 2020

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Nach dem Bergmolch 2019 rücken die Deutsche und die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) 2020 wieder ein bedrohtes Reptil in den Fokus: die Zauneidechse. "Lacerta agilis, die 'flinke Eidechse'. 

Charakteristisch für das variabel gezeichnete Reptil, das in Mitteleuropa meist 18 bis 20 Zentimeter Gesamtlänge erreicht, ist neben den prächtig grünen Flanken der Männchen eine braune Rückenfärbung mit dunklen Flecken und drei oft nur angedeuteten weißen Linien.

Zauneidechse Männchen Christoph Riegler OEGH Wachau

Zauneidechsen besiedeln in mehreren Unterarten das zweitgrößte Verbreitungsgebiet aller europäischen Echsen. Es reicht von England bis zum sibirischen Baikalsee und von Mittelschweden bis Griechenland. Zauneidechsen sind relativ anpassungsfähige Reptilien, die keine hohen Ansprüche an ihre Lebensräume stellen. In Österreich besiedelt die Zauneidechse mit Ausnahme der hochalpinen Lagen die Großlandschaften aller Bundesländer. Die Art kommt in Höhenlagen zwischen 115 und 1.700 m vor, Verbreitungsschwerpunkte finden sich in tieferen Lagen unter 500 m. Das Verbreitungsgebiet stößt im westlichen Österreich an seine südliche Arealgrenze, ansonsten schließen die österreichischen Bestände an Vorkommen in den Nachbarländern an.

Verbreitung Zauneidechse

Die Zauneidechse stellt neben der Wald- oder Bergeidechse (Zootoca vivipara) die in Österreich häufigste und am weitesten verbreitete Eidechsenart dar. Die Zauneidechse ist vor allem im Flach- und Hügelland anzutreffen, wo sich auch Menschen bevorzugt niederlassen. Die meisten Beobachtungen in Österreich erfolgen an Waldrändern, Böschungen, auf Ruderalfluren und im Grünland. Der Lebensraum ist durch eine stark entwickelte Krautschicht und fehlende bis mäßig entwickelte Strauch- und Baumvegetation charakterisiert. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit ist die Zauneidechse häufig an Bahndämmen, in Steinbrüchen, Weinbergen oder Gärten, Friedhöfen, Industriestandorten sowie Trocken- und Magerrasen zu finden. In solchen Lebensräumen findet die Zauneidechse genügend Nahrung in Form von Insekten und Spinnen.

Zauneidechse Habitat Christoph Riegler OEGH Wachau

Trotz ihrer weiten Verbreitung und der Tatsache, dass die Zauneidechse vielerorts die häufigste Reptilienart darstellt, lassen sich gebietsweise starke Rückgänge der Bestände beobachten. Aktuell wird Lacerta agilis auf der Roten Liste in Österreich unter "Gefährdung droht" geführt, in den meisten Bundesländern gilt sie sogar als gefährdet bzw. stark gefährdet. Gründe hierfür sind beispielsweise die Abtragung von Schotterkörpern stillgelegter Bahnlinien, Umwandlung von Magerrasen in Intensivgrünland oder Ackerflächen, Verbuschung nach Einstellung extensiver Mahd oder Beweidung, Flurbereinigung und der Biozideinsatz in der intensiven Landwirtschaft.

Geeignete Schutzmaßnahmen, um das Überleben der Zauneidechse langfristig zu sichern, sind etwa die Erhaltung sonniger Waldränder und Wegraine, die Vernetzung und Offenhaltung trockenwarmer Lebensräume wie Steinbrüche, Sandgruben oder Trockenmauern. Auch Querungshilfen wie Grünbrücken über Autobahnen bzw. Untertunnelungen oder eidechsengerechte Gestaltungen von Straßenböschungen können den Zauneidechsen helfen. Ein naturnaher Garten, bunte Wiesen und der Verzicht auf Pestizideinsatz fördern die Insektenvielfalt und beleben damit auch den Speisezettel der Zauneidechse. Lichte Stein- und Holzhaufen sowie Sandplätze für die Eiablage in einem wilden Garteneck locken die Sonnenfreundin an und helfen ihr beim Überleben. Um die Zauneidechse dauerhaft im Garten halten zu können müssen die entsprechenden Habitate jedenfalls katzenfrei gehalten werden.

Steckbrief der Zauneidechse – Reptil des Jahres 2020

Broschüre

Flyer

Kinder-Broschüre

Poster

Presseaussendung

Fotos Christoph Riegler: Zauneidechsen Männchen, Habitat in der Wachau: Verbreitungskarte Zauneidechse (Quelle NHM Wien)

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